Home Knowledge Wer baut zuerst das Metaverse – und brauchen wir es überhaupt?

Wer baut zuerst das Metaverse – und brauchen wir es überhaupt?

by admin

Microsoft möchte es gestalten, Facebook auch – und hat sich dafür sogar in Meta umbenannt. Das „Metaverse“ ist die Hype-Idee der Stunde. Kommt jetzt ein Wettlaufen darum, wer als erstes die größte virtuelle Welt aller Zeiten baut?

„Das Metaverse ist da“, verkündete Microsoft-Chef Satya Nadella diese Woche in einer Videobotschaft. „Und es verändert nicht nur die Welt, sondern auch wie wir an ihr teilhaben – von den Fabrikhallen bis zu den Konferenzräumen.“

Hinter der großen Botschaft steckte fürs Erste noch keine Revolution. Microsofts große Ankündigung sind digitale Avatare, die als Doppelgänger ihrer realen Vorbilder in Meetings und Konferenzen teilnehmen können. 

Der Gedanke dahinter: Anstatt stundenlang in nervenaufreibenden Online-Schalten festzustecken, sollen Mitarbeiter die Möglichkeit haben, digitale Abbilder anzeigen zu lassen, die mithilfe von künstlicher Intelligenz die Körpersprache ihrer realen Vorbilder lernen. Außerdem soll man durch diese digitalen Avatare nicht mehr auf 2D-Bildschirme angewiesen sein – auch in Virtual Reality oder Augmented Reality wären digitale Treffen künftig möglich.

Ob Microsofts Ideen wirklich eine Revolution darstellen, ist fraglich – viele Beobachter sind bisher skeptisch. Allerdings möchte Microsoft nicht einfach nur eine Technologie vorstellen, um Online-Meetings dreidimensional zu machen. Der Hinweis darauf liegt in dem Begriff, den Microsoft für die Technologie benutzt: Das „Metaverse“.

Auch Facebook setzt auf das Metaverse

Erst letzte Woche hat Mark Zuckerberg öffentlich die größte Kursänderung in der Geschichte des Facebook-Konzerns bekanntgegeben: Der Konzern, der nun Meta heißt, will sich in Zukunft mehr auf virtuelle Welten konzentrieren, und bezeichnet diese ebenfalls als „Metaverse“. Dass der Plan ernst gemeint ist, zeigt nicht nur der neue Name: Zuckerberg hat auch angekündigt, im Jahr zehn Milliarden Dollar in das Metaverse zu investieren und in Europa 10.000 neue Arbeitsplätze dafür zu schaffen.

Sowohl Microsoft als auch Google haben ähnliche Vorstellungen darüber, was das Metaverse sein soll: Eine Entwicklung hin zu virtuellen Welten, die mit digitaler Hardware betreten wird, und die im Alltag von immer mehr Menschen eine Rolle spielen soll. Die virtuelle Welt, so die Prognose, wird immer wichtiger – vielleicht sogar wichtiger als die analoge.

Was ist das Metaverse jetzt eigentlich?

Das Metaverse ist eine Zukunftsvision, maßgeblich geprägt durch die Essays des amerikanischen Autors Matthew Ball. Er beschreibt es als „den Nachfolger des mobilen Internets“. In seiner Vorstellung bewegen wir uns auf eine Welt zu, in der virtuelle Güter und Dienstleistungen bald mit der gleichen Selbstverständlichkeit ausgetauscht werden wie in der physischen Welt. Virtual Reality spielt in diesem Szenario eine wichtige Rolle. Und in diesen Bereich investieren Meta, Microsoft und andere große Tech-Unternehmen gerade massiv. 

Genauso wichtig ist jedoch: Das Metaverse soll ein vielfältiges Ökosystem sein, eine lebendige virtuelle Welt. Nach dieser Definition könnten die Bemühungen von Microsoft und Meta zwar ein Teil des Metaverse sein, aber niemals das Metaverse selbst. Genau wie Facebook nicht gleichbedeutend mit „dem Internet“ ist. 

Was bringt die Zukunft wirklich?

Letztlich lassen sich die Präsentationen von Microsoft und Meta auf zwei Arten interpretieren: Entweder die großen Tech-Konzerne wollen das Metaverse selbst bauen und besitzen – oder sie versuchen, einen Teil des Ökosystems Metaverse mitzugestalten. Letzteres wäre näher an Matthew Balls Definition des Metaverse: Einer digitalen Welt, die von zehntausenden Unternehmen und Menschen gleichzeitig entwickelt, und dadurch dezentral verwaltet wird. 

Mark Zuckerberg hat in einigen Interviews seit der Meta-Ankündigung betont, wie wichtig das Thema Kollaboration für ihn sei: „Am Wichtigsten ist hier, dass die virtuellen Güter und die digitale Wirtschaft, die [im Metaverse] entstehen, interoperabel sind“, sagte er dem Tech-Magazin Stratechery. „Das heißt, dass man seinen Avatar und seine digitale Kleidung, Werkzeuge und Erlebnisse woandershin mitnehmen kann.“

Aktuell funktionieren die Facebook-Plattformen, genau wie die meisten großen Plattformen im Internet, noch als abgeschlossene Welten. Daten und Accounts funktionieren nur innerhalb einer Plattform, sie lassen sich nicht in andere mitnehmen. Sollte Mark Zuckerberg zu seinem Wort stehen, könnte sich das in Zukunft ändern – und die Metaverse-Welten von Microsoft, Meta und anderen Unternehmen könnten miteinander kompatibel und kombinierbar werden. Doch auch ein anderes Szenario ist möglich: Eines, in dem ein einzelner Konzern den Kampf darum gewinnt, als erster das Metaverse fertigzubauen, und damit zum Monopolisten aufsteigt. 

Letztlich ist das alles möglich – und wohl auch die Tech-Konzernchefs selbst wissen nicht, was am Ende passieren wird. Insbesondere weil es auch noch ein drittes Szenario gibt: Dass das Metaverse sich als kurzzeitiger Hype erweist und in einigen Jahren niemand mehr darüber spricht.

Quelle:

https://www.br.de/nachrichten/netzwelt/wer-baut-zuerst-das-metaverse-und-brauchen-wir-es-ueberhaupt,SnmbEuq

Foto: Meeting in Microsoft Teams – mit Unterstützung durch 3D-Avatare – © Microsoft
Bildrechte: Microsoft

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