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WELCOME TO THE METAVERSE! – Internet der Zukunft

by admin

Körperlich, kommunikativ – und kommerziell: Das Konzept des Metaversums verspricht eine neue digitale Sphäre. Doch was steckt hinter dem Buzzword? Und wie dystopisch ist die neue Metaversum-Utopie?

2003, da startet die Online-Welt Second Life – und wird schnell zu einem gewaltigen Hype. Denn hier gibt es alles, was es in der realen Welt gibt – und noch viel mehr: Uni-Vorlesungen, coole Clubs, Fetisch-Orgien mit Tentakelmonstern, einen Shop von der deutschen Telekom und schmierlappige Immobilienhändler, die einem virtuelle Grundstücke andrehen wollen. Mittlerweile ist es ruhig geworden um Second Life, aber ein paar Leute hängen hier immer noch herum und chatten, bauen, tanzen und kopulieren. 

Second Life ist aber nicht nur eine schnöde online-Welt. In gewisser Weise ist Second Life auch eine Art Vorläufer eines realexistierenden „Metaverse“-Konzeptes. Und „Metaverse“ wiederum ist gerade das Buzzword schlechthin in der Techwelt. „Der Gedanke an sich ist erst einmal eine Art digitale Parallelwelt zu schaffen, in die sich Menschen mit ihrem PC, ihrem Smartphone, aber eben auch mit Virtual Reality-Brillen und vielleicht auch irgendwann mit Gehirn-Computern Schnittstellen einklinken können„, sagt Michael Förtsch vom Tech-Magazin 1E9. Diese digitale Parallelwelt soll aus vielen Universen bestehen, aus ganz eigenen Welten, die unterschiedlich aussehen und auf ihre ganz eigene Art und Weise funktionieren.  

DAS INTERNET WIRD ZU EINEM ECHTEN RAUM 

Man kann sich das Metaversum vorstellen, wie ein Geflecht von virtuellen Stadtstaaten, die ja auch ihre eigenen Regeln, kulturellen Codes und architektonischen Besonderheiten haben. Der Clou: Man kann zwischen diesen virtuellen Stadtstaaten nahtlos hin – und herreisen, ein bisschen so, wie wenn wir von einer Website auf eine andere surfen. Schon heute besteht das Netz aus zahlreichen Webseiten, Communities und Foren. Das Metaverse könnte dieser Sphäre eine Art räumliche Verkörperung geben – so zumindest das Versprechen. Wie das aber genau aussehen wird, das weiß nocht niemand. 

In der Popkultur sind die Visionen klarer. Bereits 1992 taucht der Begriff „Metaverse“ das erste Mal in einem Roman auf. Doch die Art, wie Neal Stephenson in „Snow Crash“ das Metaversum interpretiert, hat wenig mit dem zu tun, was heute unter diesem Begriff verstanden wird. Das Metaversum bei Stephenson befindet sich an einer riesigen Straße. Von hier aus kann man verschiedenste Subuniversen betreten. Das Metaversum in Tad Williams Science-Fiction-Reihe „Otherland“ aus dem Jahr 1996 hingegen ist schon ein richtiges Netz aus verknüpften virtuellen Welten. Der Nutzer muss sich nur einmal einloggen und kann alle Welten betreten. In Williams Buchreihen bevölkern die Menschen das Metaversum auch nicht nur als Repräsentation von sich selbst, sondern auch als Tiere, als Geisterwesen oder auch als körperlose Entitäten. Auch das Buch „Ready Player One“ von Ernest Cline, das 2018 von Steven Spielberg verfilmt wurde, handelt von einem Metaversum. Die dortige virtuelle Welt „Oasis“ begann mal als Online-Rollenspiel, wurde aber laufend erweitert, ausgebaut und mit neuen Features ausgestattet, sodass es zu einer Art „Über-Internet“ entwickelt.

MARK ZUCKERBERG: „FACEBOOK WIRD METAVERSE“ 

Auch heute gibt es schon längst Online-Spiele, oder spieleähnliche Umgebungen, wie etwa Roblox oder Fortnite, die dem Gedanken eines Metaversums schon recht nahekommen. Auch deswegen ist das Metaversum nicht nur eine hochtrabende Visionen, die als fixe Idee in den Köpfen von Science Fiction-Autoren herumspukt. Es wird konkret daran gearbeitet. Es gibt immer leichtere und zudem leistungsfähigere VR-Brillen. Es gibt Server, die virtuelle Umgebungen für tausende von Menschen berechnen können. Und es gibt die Blockchain-Technologie, die nicht nur digitales Geld ermöglicht, sondern auch virtuelle Gegenstände, die in die verschiedenen Metaversen mitgenommen werden können. Was es aber vor allem auch gibt: Invesitionen – und ein kommerzielles Interesse. „Denn natürlich würden die Unternehmen in allem, was in diesem Metaverse nachdem wie viele es dann werden, auch mitverdienen“, sagt Michael Förtsch. Etwa, wenn jemand ein Gründstück kauft, ein virtuelles Apartment, ein Kleidungsstück oder eine Schnellreisfunktion benutzt. 

Aber es sind nicht nur Unternehmen, die sich für das Metaverse begeistern, sondern auch ganz normale Menschen. Auf Decentraland, einem der mit etwa 20.000 Nutzern größten Metaverseprojekte, entsteht mit Aetheria gerade eine virtuelle Cyberpunk-Stadt. Irgendwann soll man hier mal durch Einkaufspassagen flanieren können und in Arenen an digitale Treibjagten teilnehmen können. Das Metaversum könnte aber nicht nur deswegen eine recht dystopische Veranstaltung werden. Kürzlich erklärte nämlich Mark Zuckerberg Facebook zum Metaversum umbauen zu wollen. Es klang fast wie eine Drohung.

Die Einzelhandelkette CU plant einen eigenen Store in auf der Metaverse-Plattform Zepeto | Bild: Yonhap/Yonhapnews Agency/picture alliance

Die Einzelhandelkette CU plant einen eigenen Store in auf der Metaverse-Plattform Zepeto

„WALLED GARDEN“ ODER METAVERSE

Denn ist schwer vorstellbar, dass ausgerechnet das Skandal-Unternehmen Facebook die Welt in eine strahlende Metaverse-Zukunft führt. Ein Unternehmen, das bekanntlich weniger an einem offenen Internet interessiert ist, als vielmehr an einem Internet im Internet. „Ein echtes Metaverse kann nur dann entstehen, wenn sich die unterschiedlichen Welten wirklich zusammenwachsen“, meint Michael Förtsch. „Wenn man also nicht Decentraland hier und das Facebook-Metaverse dort hat“. Vielmehr müssten die verschiedenen Sphären verbunden sein, so als könnte man heute flüssig von dem Online-Spiel World of Warcraft in Second Life hinüberwechseln, nur um sich danach im Weltraum-Spiel No Mans Sky wieder zu finden. Genau wie im schnöden Internet der Gegenwart wird es also auch im Metaversum der Zukunft um die Frage gehen, wie offen es sein darf – und sein muss. 

Quelle:

https://www.br.de/kultur/gesellschaft/internet-der-zukunft-was-ist-metaverse-100.html

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